Forstlicher Wettbewerb
Nachwuchs zeigt Nervenstärke am Spitalhof
Kempten – Die Motorsäge heult auf, alle schauen hin. Konzentriert legt der Teilnehmer den Fallkerb am Baum an. Ein falscher Schnitt, Unkonzentriertheit und wichtige Punkte sind verloren. Am Spitalhof in Kempten wurde es ernst für 84 angehende Landwirtinnen und Landwirte aus der Region.
Beim forstlichen Wettbewerb der Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (ÄELF) Kaufbeuren und Kempten zeigten die Schülerinnen und Schüler aus den Berufsschulen Kempten und Marktoberdorf, was sie können. Gefragt waren Fachwissen, handwerkliches Geschick und vor allem ein sicherer Umgang mit der Motorsäge.
Schon am Vortag mussten die Teilnehmer ihr theoretisches Wissen schriftlich unter Beweis stellen. Am Wettbewerbstag ging es dann an die Praxis. Auf dem Gelände des Spitalhofs in Kempten warteten vier Stationen: Die Qualität von Forstpflanzen beurteilen und die jungen Bäume fachgerecht setzen, Fehler an einer Motorsäge erkennen und die persönliche Schutzausrüstung überprüfen sowie ein Fällschnitt.
„Mängel an der Motorsäge können im Ernstfall zu schwerwiegenden Unfällen führen“, erklärt Förster Robert Baldauf vom AELF Kempten. Auch bei der sogenannten „Stockbeurteilung“ mussten die Teilnehmer bei einem Baumstumpf genau hinschauen und Fehler bei der Schnittführung mit der Motorsäge erkennen.
Als anspruchsvollste Disziplin galt das Fällen selbst. Beim Anlegen des Fallkerbs und dem anschließenden Fällschnitt kam es auf höchste Präzision an. Winkel, Schnittführung und die sogenannte „Bruchleiste“ mussten exakt passen, damit der Baum kontrolliert in die gewünschte Richtung fällt. Gleichzeitig mussten die Teilnehmer Gefahren richtig einschätzen und den gesamten Arbeitsablauf sicher durchführen.
Am Ende setzte sich Clara Karg aus Bad Hindelang durch. Mit 374 von 400 möglichen Punkten sicherte sie sich den ersten Platz. Sie überzeugte durch ruhiges, konzentriertes Arbeiten und ein sicheres Auftreten an allen Stationen. Die besten fünf Teilnehmer qualifizierten sich für den bayerischen Landesentscheid im Mai. Bei der Siegerehrung erhielten alle Teilnehmer ihre Urkunden und konnten sich aus einem großen Pool an Preisen etwas aussuchen. Möglich gemacht wurde dies durch die Unterstützung zahlreicher Sponsoren.
„Gut ausgebildete Nachwuchskräfte sind entscheidend für eine nachhaltige Waldbewirtschaftung. Der Wettbewerb zeigt, welches Potenzial in der nächsten Generation steckt“, betont Simon Östreicher, Bereichsleiter Forsten am AELF Kempten. Und am Ende zeigt sich genau das, was am Anfang zählt: Wer hier die Motorsäge ansetzt, braucht mehr als Kraft. Entscheidend ist, einen kühlen Kopf zu bewahren, Risiken richtig einzuschätzen und jeden Schnitt bewusst zu setzen.
Kasten:
Die besten Zehn beim Forstlichen Wettbewerb
- Clara Karg, Bad Hindelang – 374 Punkte
- Matthias Kari, Vierkirchen – 359 Punkte
- Johannes Wassermann, Günzach – 358 Punkte
- Florian Göppel, Kaufbeuren – 354 Punkte
- Fabian Huber, Haldenwang – 354 Punkte
- Jannik Steinhauer, Amberg – 352 Punkte
- Bettina Natterer, Böhen – 350 Punkte
- Johannes Sprenger, Jungholz – 346 Punkte
- Christoph Hausmann, Steingaden – 339 Punkte
- Immanuel Mayer, Missen – 339 Punkte
- Anni Zeller, Burgberg – 339 Punkte
Interview mit der Bestplatzierten:
„Ich hab einfach geschwätzt – das hat geholfen“
Clara Karg aus Bad Hindelang gewinnt den Forstlichen Wettbewerb
Clara Karg ist keine, die lange überlegt – sie macht einfach. Locker, offen und mit einer guten Portion Selbstvertrauen sicherte sich die angehende Landwirtin aus Bad Hindelang mit 374 Punkten den ersten Platz beim forstlichen Wettbewerb. Sie besucht derzeit die 11. Klasse der Berufsschule in Kempten und absolviert ihre Ausbildung auf dem Funkenhof in Unterthingau.
Clara, was ist dir durch den Kopf gegangen, als klar war, dass du gewonnen hast?
Ich habe mich riesig gefreut. Schließlich habe ich meinen Brüdern versprochen, die Motorsäge – den Preis für den ersten Platz des Wettbewerbs – mit nach Hause zu bringen. Aber es ist einfach auch wirklich gut gelaufen.
Was hat für dich den Unterschied gemacht?
Ich habe mir Zeit gelassen und ruhig gearbeitet. Und ich habe viel „geschwätzt“. Ich habe kein Problem damit, das ist vielleicht ein Vorteil.
Schwätzen als Erfolgsfaktor?
Ja, schon. Man erklärt, was man macht, und wirkt dadurch sicherer.
Hast du dich gezielt vorbereitet?
Nein, ich habe daheim nicht extra geübt. Ich bin einfach so reingegangen.
Du kommst selbst nicht von einem klassischen landwirtschaftlichen Betrieb, ihr bewirtschaftet aber eine Alpe. Hat dir das geholfen?
Meine Familie bewirtschaftet die Alpe Plättele im Hintersteiner Tal. Wir haben auch Wald, aber für den Wettbewerb habe ich dort nicht trainiert.
Was würdest du anderen jungen Frauen mitgeben?
Dass man sich nicht unterschätzen soll. Gerade als Frau sollte man sein Können nicht anzweifeln.
Was stellst du dir für deinen weiteren beruflichen Weg vor?
Ich mache erst einmal meine Ausbildung fertig. Danach möchte ich auf jeden Fall weiter praktisch arbeiten. Einen reinen Bürojob kann ich mir aktuell gar nicht vorstellen.
Hinweis für die Redaktion:
Fotomaterial anbei. Abdruck honorarfrei. Bildquelle: Eva Herz, AELF Kempten
Bildunterschriften:
Bild1: Stephan Kleiner, Bereichsleiter Forsten des AELF Kaufbeuren (links)
und Jeremias Zweifel vom AELF Kempten (rechts) schauen bei der Überprüfung der
Motorsäge durch eine Teilnehmerin genau hin.
Bild2: Die Erstplatzierte Clara Karg aus Bad Hindelang präsentiert stolz ihre Urkunde.
Bild3: Die besten 11 Teilnehmer beim Forstlichen Wettbewerb, v.l.n.r. Anni Zeller, Burgberg (339 Punkte), Immanuel Mayer, Missen (339 Punkte), Christoph Hausmann, Steingaden (339 Punkte), Johannes Sprenger, Jungholz (346 Punkte), Bettina Natterer, Böhen (350 Punkte), Jannik Steinhauer, Amberg (352 Punkte), Clara Karg, Bad Hindelang (374 Punkte), Matthias Kari, Vierkirchen (359 Punkte), Johannes Wassermann, Günzach (358 Punkte), Florian Göppel, Kaufbeuren (354 Punkte), Fabian Huber, Haldenwang (354 Punkte)
Bild4: In Action: Der Umgang mit der Motorsäge will gekonnt sein.
