Junge Landwirte zeigen, wie Arbeitssicherheit praktisch geht

Beim Projekt „Azubi aktiv“ stellten BGJ-Schüler ihre Sicherheitsprojekte vor – die besten Arbeiten wurden ausgezeichnet

Kempten – Arbeitssicherheit in der Landwirtschaft ist kein theoretisches Thema. Sie entscheidet im Alltag darüber, ob gefährliche Situationen rechtzeitig erkannt und Unfälle vermieden werden können. Wie praxisnah junge angehende Landwirte damit umgehen, zeigte die Siegerehrung des Projekts „Azubi aktiv“ an der Berufsschule 1 in Kempten. Die Auszubildenden des Berufsgrundschuljahres (BGJ) Landwirtschaft stellten ihre selbst ausgearbeiteten Projekte vor und bewiesen, dass gezielte Verbesserungen auf den Betrieben oft schon viel bewirken können.

Im Rahmen von „Azubi aktiv“ beschäftigten sie sich intensiv mit Gefahrenstellen in ihren elterlichen Betrieben und entwickelten konkrete Lösungen für mehr Sicherheit im Arbeitsalltag. Das Projekt ist eng mit der Präventionsarbeit der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) verbunden.

Konrad Haggenmüller, Präventionsberater von der SVLFG machte deutlich, warum solche Projekte wichtig sind. „Landwirtschaftliche Betriebe gehören zu den Arbeitsbereichen mit zahlreichen Gefahrenquellen. Neben dem Umgang mit Tieren und Maschinen spielen auch Gefahren etwa an Fahr- und Hochsilos sowie Zeitdruck eine große Rolle.“ Laut den vorgestellten Zahlen schätzen 81 Prozent der Azubis ihre Gesundheit als gut oder sehr gut ein. Nichtsdestotrotz klagt jeder vierte Auszubildende über häufigen Zeitdruck und knapp 70 Prozent müssen regelmäßig schwer heben und tragen. Gerade deshalb sei es wichtig, frühzeitig ein Bewusstsein für Belastungen und Risiken zu schaffen.

Haggenmüller ging auch auf die Unfallzahlen ein. Bundesweit ereignen sich in der Landwirtschaft jedes Jahr 56000 meldepflichtige Arbeitsunfälle. In Bayern sind es etwa 13.000 Unfälle, davon etwa 55 mit tödlichem Ausgang. Diese Zahlen zeigen, dass Prävention kein Randthema ist, sondern zum betrieblichen Alltag gehört. Neben technischen Gefahren wurden auch psychische Belastungen thematisiert.

„Arbeitssicherheit beginnt nicht erst, wenn etwas passiert ist. Entscheidend ist, Gefahrenstellen im eigenen Betrieb frühzeitig zu erkennen und praktikable Lösungen zu finden, die im Alltag auch wirklich genutzt werden”, betonte Konrad Haggenmüller.

Für die Bewertung der Projekte zählten mehrere Kriterien: die praktische Arbeit, die unfalltechnische Ausführung und der schriftliche Bericht. Darin mussten die Auszubildenden unter anderem die Ausgangssituation beschreiben, die Gefahrenstelle beurteilen, die Umsetzung dokumentieren und den Zustand vor und nach der Verbesserung mit Fotos festhalten. Auch ein Stunden- und Kostennachweis gehörte zur Projektarbeit.

Bildungsberater Thomas Tanzer vom AELF Kempten betont, wie wertvoll das Projekt für die Ausbildung ist. „Die Jugendlichen setzen sich nicht nur theoretisch mit Arbeitssicherheit auseinander, sondern lernen auch, Gefahren in ihrem eigenen Betrieb zu erkennen und praktikable Lösungen zu entwickeln!“ Das Thema wurde durch Unterrichtseinheiten zu Stressbewältigung und Rückengesundheit ergänzt.

Bei der Preisverleihung wurden die drei besten Sicherheitsprojekte ausgezeichnet. Den dritten Platz erreichte Simon Rusch mit einer Front- und Rückfahrkamera für den Radlader. Die Kamera sorgt für mehr Sicherheit, Komfort und Übersicht beim Vorwärts- und Rückwärtsfahren sowie bei der Arbeit mit dem Teleskoparm. Haggenmüller lobte die gut durchdachte Lösung, die saubere Verarbeitung und den praktischen Nutzen. Für sein Projekt erhielt Rusch 47 Punkte. Insgesamt investierte er 18,5 Stunden.

Platz zwei ging an Desiree Ruppaner. Sie hatte einen viel begangenen Aufgang mit Geländer und Rost ausgestattet, um hier Unfälle zu vermeiden. Durch diese neue Konstruktion wurde der Zugang deutlich sicherer. Ihre Arbeit überzeugte durch eine gute Verarbeitung, einen schlüssigen Bericht und eine saubere Umsetzung. Ruppaner erreichte 49 Punkte und benötigte für ihr Projekt insgesamt 27 Stunden.

Den ersten Platz und damit die Auszeichnung für das beste Sicherheitsprojekt 2026 erhielt Stefan Burger. Er baute einen sicheren Aufgang zum Heukran mit Zwischen- und Arbeitspodest. Davor führte dort seit rund 40 Jahren lediglich eine senkrechte Steigleiter nach oben. Nun ist der Zugang durch die neue Treppe mit Gitterrost deutlich leichter und sicherer. Die Jury würdigte die sehr saubere Ausführung, die stabile Verarbeitung und die durchdachte Konstruktion ohne Stolperstellen. Burger erreichte die volle Punktzahl von 50 Punkten. Insgesamt investierte er 87 Stunden in sein aufwendiges Projekt. Die Kosten beliefen sich auf rund 1.200 Euro.

Die vorgestellten Arbeiten zeigten eindrucksvoll, dass Arbeitssicherheit nicht erst bei großen Investitionen beginnt. Oft sind es konkrete Verbesserungen an bekannten Gefahrenstellen, die den Arbeitsalltag sicherer machen. Für die angehenden Landwirte war das Projekt somit nicht nur ein Wettbewerb, sondern auch ein wichtiger Schritt hin zu mehr Verantwortung im eigenen Betrieb.

Hinweis für die Redaktion:

Fotomaterial anbei. Abdruck honorarfrei. Bild und Text: Eva Herz

Bildunterschrift:

Bild1: v. l. n. r. Drei Arbeiten wurden besonders hervorhoben – Simon Rusch (3. Platz), Stefan Burger (1. Platz), Desiree Ruppaner (2. Platz)

Bild2: Die Schüler des Berufsgrundschuljahrs Landwirtschaft der Berufsschule 1 in Kempten nahmen beim Projekt „Azubi aktiv“ teil.